Freitag, 08.12.06 |
Bürgerpreis 2006 / Westfälische Nachrichten, 08.12.2006
Bürgerstiftung vergibt sechs Preise für vorbildliche Kulturprojekte
Münster. Normalerweise bringen die Gäste Geschenke mit, wenn sie zu einer Geburtstagsfeier kommen. Bei der Bürgerstiftung ist das anders. Sie feierte gestern Abend im Rathaus ihren zweiten Geburtstag - und verteilte Geschenke. Genauer: Sie vergab zum zweiten Mal den Bürgerpreis - "und vergoldete damit einen kulturellen Kaktus", wie einer der Gäste nach der Verleihung des Hauptpreises an das Jugendtheater "Cactus" salopp formulierte.
Insgesamt rund 70 Gruppen, Vereine und Initiativen hatten sich um den Preis "Bürger machen Zukunft" beworben, der in diesem Jahr für Projekte in den Bereichen Kunst, Kultur und Brauchtumspflege ausgeschrieben worden war. Sechs von ihnen hatte die Jury für die Preisverleihung am gestrigen Abend nominiert. Und am Ende ging keiner mit leeren Händen nach Hause.
Der Bürgerpreis in Gold - ein von Dieter Sieger geschaffener Ehrenpreis und ein 5000-Euro-Scheck - ging an Barbara Kemmler und das Jugendtheater Cactus. Im Rahmen des Projektes "Werkplatz diverse Kultur" hat Kemmler mit jungen Leuten verschiedener Nationalitäten, die alle einen Migrationshintergrund haben, etliche Theaterstücke auf die Beine gestellt. "Mit Ihrem Projekt", so betonte Ralph Schwichtenhövel vom Bürgerpreis-Sponsor Versatel in seiner Laudatio, "haben Sie eindrucksvoll gezeigt, wie der Brückenschlag zwischen Deutschen und Migranten gelingen kann."
Den Bürgerpreis in Silber (2000 Euro) erhielt der Verein Yehudi Menuhin Live Music Now Münsterland, der 2005 vom Ehepaar von Ohnesorge ins Leben gerufen wurde und der schon mehrere Konzerte in sozialen Einrichtungen organisiert hat. Und über den Bürgerpreis in Bronze (1000 Euro) durfte sich der Mecklenbecker Geschichts- und Heimatkreis freuen.
Den mit 2000 Euro dotierten Zukunftspreis - gedacht für Ideen, die noch in den Startlöchern stecken - vergab die Jury an das Theater Sycorax, das sich zum Ziel gesetzt hat, die soziale Kompetenz und das kreative Potenzial psychisch kranker Menschen zu fördern. Und weil er von den Bewerbungen mehr als beeindruckt war, schuf Jury-Mitglied Dieter Sieger spontan noch zwei Sonderpreise. Sie gingen an die Afrika-Kooperative und den Plattdeutschen Gesprächskreis.
Wo es Preisträger gibt, gibt es auch Bewerber, die leer ausgehen. An sie wandte sich Moderatorin Martina Kreimann, als sie alle animierte, ihr ehrenamtliches Engagement fortzusetzen: "Sie alle tragen dazu bei, dass Münster noch lebenswerter und bunter wird." Und ans Weitermachen dachte auch Hans Rath, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, als er am Schluss der unterhaltsamen Geburtstagsfeier schon mal das Thema für den Bürgerpreis 2007 verriet: "Im grünen Bereich".
Zum Thema
Bürgerstiftung MünsterDie Bürgerstiftung Münster ist am 1. Dezember 2004 mit 256 Gründungsstiftern und rund 550?000 Euro Grundstockvermögen angetreten. Das ist, wie Vorsitzender Hans Rath gestern Abend betonte, "bundesweit immer noch Platz 1, was den Start betrifft". Inzwischen hat sich das Stiftungsvermögen auf 663?000 Euro erhöht. Darüber hinaus hat der Vorstand laut Rath weitere 53?000 Euro in Form von Spenden, Sponsoring oder Projektpatenschaften eingeworben.
Erklärtes Ziel der Stiftung ist die Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Dem dient insbesondere der Bürgerpreis, der gestern verliehen wurde. Außerdem vergibt die Stiftung "Start"-Stipendien für besonders begabte Zuwandererkinder. Vor kurzem wurde ein weiteres Projekt mit dem Titel "Verantwortung lernen - Schülerinnen und Schüler engagieren sich in Schule und Gesellschaft" aus der Taufe gehoben.
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